Vakuum-Pumpen als Hilfsmittel bei Impotenz

Impotenz (Erektile Dysfunktion) ist die Unfähigkeit des Mannes, eine für den Geschlechtsverkehr ausreichende Erektion zu bekommen und aufrechtzuerhalten. Neben einigen Medikamenten, deren bekanntestes Viagra ist, bestehen operative Möglichkeiten, die für die meisten Männer sehr abschreckend sind. Eine Alternative könnten Vakuum-Erektionssysteme sein, die als Medizinische Hilfsmittel erhältlich und verordnungsfähig sind. Diese Hilfsmittel sind auch unter den Begriffen Penispumpe bzw. Penis-Vakuumpumpe bekannt und werden unter diesen Bezeichnungen vor allem in Sexshops und Erotik-Versandhäusern verkauft.


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Sex und Impotenz sind speziell beim Thema Behinderung absolute Tabuthemen und noch dazu haftet den Vakkumsystemen, um die es hier geht, ein komischer Ruf an. Nach einiger Recherche kam ich zu dem Schluß, dass die Vakuumpumpen ein gutes Thema für handicap-bazar sind, denn sie scheinen für viele Männer sehr hilfreich zu sein.

Es gibt zum Nutzen dieser Systeme seit den 1980’er Jahren einige medizinische Studien, bei denen Männer diese Geräte über einen längeren Zeitraum genutzt haben und dazu befragt wurden. Laut den Studienergebnissen wurden die Vakkumsysteme aus medizinischer Sicht als geeignet eingestuft und in Deutschland als Hilfsmittel zugelassen. Eine deutschsprachige Veröffentlichung im Journal für Urologie und Urogynäkologie aus dem Jahr 1999 berichtet über die damalige Studienlage. In einer Studie der Autoren wurden 110 Datensätze von Patienten ausgewertet. Von den 110 Personen kamen immerhin 46 dauerhaft damit zurecht und waren überwiegend damit zufrieden.

Abrufbar ist die Veröffentlichung hier: Die Behandlung der erektilen Dysfunktion mittels Vakuumpumpen

Das Hilfsmittelverzeichnis listet aktuell 24 verschiedene Produkte auf, die unter engen Voraussetzungen über die Krankenkassen erstattungsfähig sind.

Hilfsmittelverzeichnis: 24 Vakkum-Erektionssysteme mit Hilfsmittelnummer

Wie der Name schon verrät arbeiten Vakuum-Erektionssysteme mit Hilfe von Unterdruck. Das Gerät besteht aus einem abdichtbaren Zylinder, der über den Penis gestülpt wird. Damit keine Luft angesaugt werden kann wird viel Gleitmittel auf die Hautpartien, auf die der Zylinder ansetzt, aufgebracht.


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Im Zylinder wird mit Hilfe einer von Hand oder elektrisch betriebenen Pumpe ein Unterdruck erzeugt, der einen vermehrten Bluteinstrom in den Penis und damit eine Penisversteifung bewirkt. Ein Ventil ermöglicht einen sofortigen Unterdruckausgleich. Die Erektion wird mit Hilfe eines Gummirings (Stauring) gehalten, der um die Peniswurzel gelegt wird und den Blutabfluss vermindert. Diese elastischen Stauringe sind in unterschiedlichen Größen erhältlich und einige sind ebenfalls als medizinisches Hilfsmittel zugelassen. Bei manchen der angebotenen Geräte kann die Öffnung des Zylinders durch einen Anpassungszylinder im Durchmesser verändert werden.

Die gesundheitlichen Risiken bestehen in oberflächlichen Unterblutungen der Haut/Schleimhaut durch den Unterdruck bzw. in bleibenden Gefäßschäden im Gliedbereich bei zu langem Verbleib der Drosselung an der Peniswurzel. Und weil die Versteifung des Penis nur bis zum Stauring reicht, ist ein Verdrehen und Abknicken des Penis oberhalb des Stauringes möglich. Dadurch sind Gewebsschädigungen – eine Penisfraktur – möglich. Wer sich ein Vakuum-Erektionssystem als Hilfsmittel verordnen lassen möchte muss sich daher aus gutem Grunde unter ärztlicher Aufsicht mit der Handhabung des Gerätes vertraut machen, so wollen es die Krankenkassen.

Voraussetzungen für eine Hilfsmittelverordung:

Es bestehen viele Voraussetzungen, die große Hürden für eine Verordnung aufbauen:

  • Ein Facharzt hat eine erektile Dysfunktion diagnostiziert und die ursächlichen Behandlungsmöglichkeiten sind ausgeschöpft (Facharzt aus einem der Bereiche Urologie, Dermatologie, Andrologie, ggf. Innere Medizin oder Neurologie).
  • Ist die erektile Dysfunktion lediglich Nebenwirkung eines Medikaments, muss zuerst eine medikamentöse Umstellung erwogen werden.
  • Bei psychischen Ursachen ist zunächst die psychotherapeutische Behandlung des Grundproblems notwendig.
  • Vor der Verordnung eines Vakuumerektionssystems ist der Patient ausführlich über diese und alternative Behandlungsmethoden aufzuklären und unter ärztlicher Aufsicht mit der Handhabung des Gerätes vertraut zu machen.
  • Außerdem muss der verordnende Arzt dokumentieren, daß beide Geschlechtspartner das System und seine praktische Anwendung akzeptieren.

Bei folgenden Indikationen, sind Vakuum-Erektionssysteme als  Hilfsmittel ärztlich verordnungsfähig:

Vakuum-Erektionssysteme sind angezeigt bei männlicher Impotenz (Impotentia coeundi) durch:

  • Defizite der arteriellen Versorgung im Bereich des männlichen Geschlechtsteils.
  • Störungen des venösen/cavernösen Gefäßsystems (venöses Leck), wenn Erektionsringe alleine nicht ausreichend wirksam sind.
  • Schädigung des peripher versorgenden Nervensystems mit Folge der Fehlsteuerung.

Eine Verordnung ist in folgenden Fällen ausgeschlossen:

  • Bei Priapismus (Dauererektion) in der Vorgeschichte.
  • Bei Blutgerinnungsstörungen mit Blutungsneigung.
  • Bei anderen Bluterkrankungen mit Bildung von Thromben im Kapillarsystem, z.B. Sichelzellanämie.

Quelle: https://hilfsmittel.gkv-spitzenverband.de/produktartAnzeigen_input.action?artId=2113

Gute Informationen zum Thema fand ich bei der Internetseite der Gröbenzeller Selbsthilfegruppe Erektile Dysfunktion.

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Über Jochen Radau

Seit 2004 arbeite ich als Sozialpädagoge in einer Beratungsstelle. Auf dieser Internetseite möchte ich hilfreiche Erfahrungen aus meiner Tätigkeit bereitstellen. Alle Informationen auf dieser Internetseite sind sorgfältig recherchiert, dennoch sind Fehler möglich. In diesem Fall freue ich mich über eine Rückmeldung.