Pflegestufen werden Pflegegrade

Pflegegeld ab 2017: fünf Pflegegrade lösen Pflegestufen ab

Das Pflegegeld wird ab 2017 erhöht und fünf Pflegegrade ersetzen die bisherigen Pflegestufen. Neben den Pflegegraden wird auch der Begriff der Pflegebedürftigkeit neu festgelegt und das neue Begutachtungsassessment (NBA) eingeführt.

Wie wird sich das Pflegegeld ab 2017 verändern?

Wie Pflegestufen in Pflegegrade übergeleitet werden, wieviel Pflegegeld es 2017 für welchen Pflegegrad geben wird und was das für jetzige Pflegeeinstufungen bedeutet erläutern wir im ersten Abschnitt dieses Beitrags. In mehreren Tabellen haben wir dazu die Pflegegelderhöhung 2017 zusammengefasst.

Wie ändert sich das Pflegegeld ab 2017?

Welche Pflegestufe wird welcher Pflegegrad?

Was wird ab 2017 in der NBA-Begutachtung berücksichtigt?

Die Begutachtung der Pflegebedürftigkeit wird ab 2017 mit dem NBA auf neue Füße gestellt. Künftig werden die Selbstständigkeit und die vorhandenen Fähigkeiten in sechs Lebensbereichen entscheidend sein für die Einteilung in einen Pflegegrad. Näheres findet ihr in diesem Beitrag: Pflegegrade – Begutachtung nach dem NBA

Pflegegeld ab 2017 bei häuslicher Pflege

Es gibt gute Nachrichten für Pflegestufen 0,1 und 2: Wie schon beim Pflegestärkungsgesetz 1 soll hier die Höhe des Pflegegeldes gegenüber dem gegenwärtigen Zeitpunkt ansteigen.

Pflegegrad 1, 2, 3, 4, 5: wieviel Geld es gibt, zeigt die Tabelle:

Pflegegrad bisherige Pflegestufe Pflegegelderhöhung ab 2017
Pflegegrad 1
Pflegegrad 2 Pflegestufe I; 0 mit Demenz* 316
Pflegegrad 3 Pflegestufe II; I mit Demenz* 545
Pflegegrad 4 Pflegestufe III; II mit Demenz* 728
Pflegegrad 5 Pflegestufe III Härtefall; III mit Demenz* 901

* Gilt für Personen mit dauerhaft erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz im Sinne von § 45a SGB XI – das sind vor allem an Demenz erkrankte Menschen

 

Pflegesachleistung bei Pflege durch eine Sozialstation

Auch die Sachleistungen bei der Pflege durch eine Sozialstation werden ab 2017 erhöht, wie die Tabelle unten zeigt.

Pflegegrad bisherige Pflegestufe geplante Sachleistung ambulante Pflege ab 2017
Pflegegrad 1
Pflegegrad 2 Pflegestufe I; 0 mit Demenz* 689
Pflegegrad 3 Pflegestufe II; I mit Demenz* 1298
Pflegegrad 4 Pflegestufe III; II mit Demenz* 1612
Pflegegrad 5 Pflegestufe III Härtefall; mit Demenz* 1995

Pflegesachleistung bei Tages- und Nachtpflege ab 2017

Auch die teilstationären Leistungen sollen erhöht werden. Damit sind Tages- und Nachtpflege gemeint. Diese Sachleistung kann bei häuslicher Pflege zusätzlich in Anspruch genommen werden. Das haben wir in diesem Beitrag zur Tagespflege erläutert. Die Tabelle zeigt die Höhe der Sachleistungen.

Pflegegrad bisherige Pflegestufe geplante Leistung teilstationäre Pflege ab 2017
Pflegegrad 1
Pflegegrad 2 Pflegestufe I; 0 mit Demenz* 689
Pflegegrad 3 Pflegestufe II; I mit Demenz* 1298
Pflegegrad 4 Pflegestufe III; II mit Demenz* 1612
Pflegegrad 5 Pflegestufe III Härtefall; mit Demenz* 1995

 

Stationäre Pflege im Pflegeheim ab 2017

Wer bisher mit Pflegestufe I oder II in einer stationären Pflegeeinrichtung lebt, kommt nach dem Entwurf schlechter weg. Erst ab Pflegestufe III verbessert sich der Zuschuss der Pflegekasse. In der Tabelle sind die Sachleistungen dargestellt.


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Pflegegrad bisherige Pflegestufe geplanter Zuschuss stationäre Pflege ab 2017
Pflegegrad 1 125
Pflegegrad 2 Pflegestufe I; 0 mit Demenz* 770
Pflegegrad 3 Pflegestufe II; I mit Demenz* 1262
Pflegegrad 4 Pflegestufe III; II mit Demenz* 1775
Pflegegrad 5 Pflegestufe III Härtefall; III mit Demenz* 2005

Einen Überblick in Tabellenform über alle Pflegeleistungen ab 2017 gebe ich auch auf pflegegeld-info.de

Überleitung heutiger Pflegestufen in Pflegegrade

Wer vor 2017 in einer Pflegestufe ist, wird ohne erneute Antragstellung oder Begutachtung einem Pflegegrad zugeordnet. Benachteiligung für Pflegebedürftige, die bereits Leistungen beziehen, sollen ausgeschlossen werden. Es gilt eine Besitzstandregelung. Diese Tabelle zeigt die sogenannten Zuordnungsregelungen:

Neu: Pflegegrad bisher: Pflegestufe
Pflegegrad 1
Pflegegrad 2 Pflegestufe I; 0 mit Demenz
Pflegegrad 3 Pflegestufe II; I mit Demenz
Pflegegrad 4 Pflegestufe III; II mit Demenz
Pflegegrad 5 Pflegestufe III Härtefall; III mit Demenz

Achtung: liegt eine besondere Bedarfskostellation vor, weil der Gebrauch beider Arme und Beine nicht möglich ist, dann ist nach der Begutachtung ab 2017 eine Einstufung in Pflegegrad 5 vorgesehen. Siehe unseren Beitrag zum Modul 1: Mobilität.

Wem zusätzlich eine eingeschränkte Alltagskompetenz im Sinne von § 45a SGB XI bescheinigt wurde, z.B. bei Demenz, dessen Pflegegrad wird folgendermaßen übergeleitet:

  • Pflegestufe 0 führt zu Pflegegrad 2
  • Pflegestufe I und eingeschränkte Alltagskompetenz führen zu Pflegegrad 3
  • Pflegestufe II und eingeschränkte Alltagskompetenz führen zu Pflegegrad 4
  • Pflegestufe III und eingeschränkte Alltagskompetenz führen zu Pflegegrad 5

Auch die Pflegegeldleistungen und der Zuschuss für die stationäre Pflege werden erhöht und sie sollen durch regelmässige Erhöhungen an die Preisentwicklung gekoppelt werden.

Besitzstandfälle, Überleitungsfälle und Höherstufungsfälle

Das Pflegestärkungsgesetz sieht auch eine Neufassung des Pflegebedürftigkeitsbegriffs vor. Es soll nicht mehr zwischen körperlichen Einschränkungen auf der einen Seite und kognitiven und psychischen Einschränkungen auf der anderen Seite unterschieden werden. Stattdessen soll der individuelle Unterstützungsbedarf im Einzelfall betrachtet werden. Dies zieht nach sich, dass auch die Begutachtung umgestellt wird, dazu wird das neue Begutachtungsassessment (NBA) eingeführt. Insgesamt verbessert sich damit die Einschätzung der Pflegebedürftigkeit für Demenzerkrankte, für Menschen mit Schwierigkeiten im psychischen und kognitiven Bereich und auch bei Menschen mit Problemen in der Kommunikation. Die Tabellen zeigen aber auf der anderen Seite, dass es keine Pflegegelderhöhungen bei Pflegestufe 3 gibt.

Nach einer hier veröffentlichten Untersuchung an 1485 Fällen, welche Pflegewissenschaftler im Jahr 2013 im Auftrag des Gesundheitsministeriums ausgearbeitet haben, passt die Überleitung der Pflegestufen in Pflegegrade für den großen Teil (44%) der bisherigen Pflegebedürftigen. Das heißt, diese in der Studie sogenannten Überleitungsfälle würden nach einer Begutachtung genau die Pflegegrade erhalten, die nach oben genannter Überleitung den entsprechenden Pflegestufen zugeordnet sind. Dem gegenüber stehen 42 % Höherstufungsfälle, denen bei einer neuen Begutachtung ein höherer Pflegegrad zustehen würde. Eine Benachteiligung gegenüber dem heutigen System besteht nicht, da ja das Pflegegeld nach der Überleitung ohnehin höher ausfällt. Bei einer erneuten Begutachtung würden diese 42 % möglicherweise einen höheren Pflegegrad bekommen. Die restlichen ca. 14% sind sogenannte Besitzstandfälle, welche nach der NBA eine niedrigeren Pflegegrad bekommen würden. Damit keine Benachteiligung entsteht, wird diese Gruppe im übergeleiteten Pflegegrad zu belassen. Auch im Falle einer späteren Herunterstufung wird das Pflegegeld des übergeleiteten Pflegegrades weiterhin bezahlt (Besitzstand).

Und hier beschreiben wir die MDK-Begutachtung ab 2017 nach dem NBA:

Pflegegrade: NBA-Begutachtung ab 2017

 



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