Nachbarschaftshilfe in Zeiten von Corona

Menschen mit einem schwereren Handicap gehören zur Corona-Risikogruppe, z.B. wenn aufgrund von Rollstuhlnutzung oder Bettlägerigkeit die Lunge nicht mehr optimal belüftet wird. Dieser Umstand erhöht bei einer Infektion mit dem Coronavirus (SARS-CoV2) das Risiko für einen schwereren Verlauf dieser Lungenerkrankung. Auch bei der Einnahme bestimmter Medikamente wie z.B. Cortison oder bestimmten Antikörpertherapien ist eine erhöhte Vorsicht geboten, weil diese zeitweise zu einer erhöhten Infektanfälligkeit führen. Darauf wiesen Mitglieder des ärztlichen Beirats der DMSG in einem Beitrag zum Thema „Empfehlungen für Multiple Sklerose – Erkrankte zum Thema Corona-Virus“ hin.


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Eine Schlussfolgerung daraus ist, dass viele Menschen mit Handicap aktuell besonders gut auf sich aufpassen müssen. Den meisten Menschen, denen ich begegne ist das sehr bewusst. Deswegen sind alltägliche Hilfsangebote wie z.B. Einkaufshilfen wichtiger denn je und wir wollen nachfolgend einen Überblick dazu geben.

Soziale Medien und Onlineplattformen

Aktuell entstehen in den sozialen Medien zahlreiche regionale Corona-Hilfe-Plattformen. Dort posten viele hilfsbereite Privatleute, die Hilfeleistungen wie Einkäufe, Besorgungen oder Hundegassi anbieten. Leider ist die Form des Facebook-Nachrichtenstroms nicht gerade übersichtlich und auf den ersten Blick wenig hilfreich, wenn man selbst gerade auf der Suche nach Hilfe ist. Und auch schon aus den Zeiten vor der Corona-Krise bestehen besser strukturierte Nachbarschaftsnetzwerke wie nebenan.de, die vor allem in den Städten florieren.

Noch ist festzustellen, dass es in diesen Kanälen mehr potentielle Helfer gibt als Leute, die diese Angebote annehmen. Einige Städte reagieren auf die Corona-Krise, indem sie die dort bestehenden Ehrenamts- und Nachbarschaftshilfen anpassen und die Gefahren durch das neue Virus sehr ernstnehmen. So ist auf den professionell geführten Seiten von Nürnberg engagiert! ist derzeit folgender Aufruf zu lesen:

„Jedoch wissen wir auch, dass sich derzeit mehr Personen freiwillig melden, weil sie helfen wollen, als solche, die Hilfe benötigen.
Wir möchten Euch darum bitten, Ruhe zu bewahren und auch nur dann eure Hilfe anzubieten, wenn ihr tatsächlich fit und symptomfrei seid.
Denn die größte Hilfe für alle ist momentan, sich an die Beschränkungen zu halten, körperliche Distanz zu wahren und, wenn möglich, zuhause zu bleiben.
Die Koordination freiwilliger Hilfe im Katastrophenfall ist nie einfach. Dieser Fall ist nochmal schwieriger, da es gilt, Ansteckung zu vermeiden. Das hat oberste Priorität. Die aktuelle Situation ist für niemanden von uns leicht, aber wenn wir alle an einem Strang ziehen, können wir auch diese Krise bewältigen!
In diesem Sinne bitten wir euch:
Bleibt solidarisch. Bleibt fair. Bleibt zuhause.“

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https://www.nuernberg.de/internet/nuernberg_engagiert/aktuell_65042.html

Gemeinnützige Hilfsdienste bieten Einkaufsdienste an

In meiner Heimatstadt Würzburg war am 23. März in der Main-Post zu lesen, dass die Malteser einen kostenlosen Einkaufs- und Besorgungsdienst für das Stadtgebiet Würzburg starten. Der Dienst richtet sich an Senioren ab 65 und Menschen mit Vorerkrankungen. Einer Pressemeldung in der Main-Post ist zu entnehmen, dass dies durch frei werdende Kapazitäten in anderen Bereichen möglich wird.

In der Main-Post steht zu dem neuen Angebot dazu folgendes: Der Einkauf wird am Telefon besprochen, persönlicher Kontakt vermieden, Bezahlung erfolgt ausschließlich bar. „Wir kaufen in haushaltsüblichen Mengen für die Grundversorgung ein und holen auch gerne benötigte Medikamente in der Apotheke ab“, sagt Joachim Gold, ehrenamtlicher Stadtbeauftragter der Malteser Würzburg. Eine Begleitung zum Einkauf hingegen sei nicht möglich, heißt es in der Pressemitteilung.“

Das Sozialreferat Würzburg nennt außer den Maltesern noch weitere Dienste wie den ASB, das BRK, die AWO und die Moschee-Gemeinden. Sicherlich ist Würzburg durch dieses breite Angebot noch eine Ausnahme. Wer auf dem Land wohnt hat noch das Nachsehen, vielleicht kann aber die eine oder andere Anfrage bei der Gemeinde weiterhelfen. Viele Gemeinden haben schon seit langem Helferkreise und Nachbarschaftshilfen.

Vielleicht gibt es so ein Angebot auch in deiner Stadt? Dann würde ich mich über Kommentare freuen.

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Über Jochen Radau

Seit 2004 arbeite ich als Sozialpädagoge in einer Beratungsstelle für MS-Betroffene und Angehörige in Würzburg. Auf handicap-bazar findet sich Wissen aus praktischer Erfahrung und aus Fortbildungen zu den Themen Schwerbehinderung, Pflegeversicherung, barrierefreies Umbauen, Hilfsmittel und finanziellen Fragen.Die Beiträge auf handicap-bazar haben einen Schwerpunkt bei Finanzierungsfragen zum barrierefreien Umbau. Auch die Bereiche Mobilität und Hilfsmittel stehen hier im Mittelpunkt. Einen weiteren Schwerpunkt auf handicap-bazar bildet der kostenlose Marktplatz für Hilfsmittel und angepasste Autos.